letzte Änderung: 30.11.2010
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Was bedeutet uns ...

Artgerechte Tierhaltung

Die Veredelungswirtschaft ist im bundesweiten Vergleich in Sachsen-Anhalt zahlenmäßig nur schwach ausgeprägt. In der Wertschöpfung bietet dieser Zweig der landwirtschaftlichen Produktion das größte Potential und auch mehr Menschen einen Arbeitsplatz, als der reine Ackerbau. Die Tierhaltung gehört seit jeher zum Landleben dazu, nur schwinden mit dem gesellschaftlichen Wandel und den zurückgehenden Bezügen zur Landwirtschaft auch Akzeptanz und Wertschätzung unserer Arbeit.

In der öffentlichen Debatte wird landwirtschaftliche Tierhaltung oft als konventionelle oder Massentierhaltung bezeichnet. Produktionsorientierter Umgang mit Kühen, Schweinen oder Geflügel wird aufgrund von zweifelhaften Berichten einiger Tierschutzorganisatoren pauschal kritisiert und mit teils radikalen und gewalttätigen Mitteln bekämpft. Ist diese Kritik an modernen Tierhaltungsformen berechtigt?

Egal, ob Landwirte Tierhaltung betreiben, um Milch oder Eier zu produzieren, oder Schlachttiere gehalten werden – Tierhalter sind grundsätzlich daran interessiert und tun ihr Möglichstes, damit es ihren Tieren gut geht. Von Geburt der Tiere an wird für eine tierschutzgerechte Haltung viel Aufwand betrieben. In den letzten Jahrzehnten haben viele Entwicklungen in Haltungssystemen Einzug gehalten, die auf Tierschutzbelange eingehen. Beispielsweise werden Kühe heutzutage in Laufställen gehalten und nicht mehr angebunden. Sie fühlen sich in einer Herde einfach wohler und brauchen Sozialkontakte. Das hat zur Folge, dass Kälber enthornt werden, damit sie später nicht andere Tiere bei Raufereien verletzen. Mittlerweile ist es gelungen, von Geburt an hornlose Tiere zu züchten.

Wer einmal in einem modernen Kuhstall war, hat sicher auch schon Kuhspielzeug entdeckt und gesehen, dass die Tiere gerne eigens eingerichtete Massagebürsten nutzen. „Kuhkomfort“ lautet das Stichwort, unter welchem sich viele Experten mit der Verbesserung der Tierhaltung beschäftigen. Wie können Ställe optimal belüftet werden, wie kann maximale Hygiene sichergestellt werden, wie vermeidet man Krankheiten, um den Einsatz teurer Medikamente zu reduzieren – all das sind Fragen, die für Landwirte in der Tierhaltung von zentraler Bedeutung sind – natürlich auch der Kosten wegen, aber in der Hauptsache dem Tier zuliebe!

Der Tierschutz ist in Deutschland im Grundgesetz verankert. Darauf aufbauend wurden Gesetze verändert, die bis in kleine Details wie Besatzdichte, Beleuchtung, Futter- und Tränkeeinrichtungen und Tierpflege der Haltung regeln. Deren Beachtung wird streng kontrolliert und macht die Diskussion über die Tierzahl, ab wann von Massentierhaltung zu sprechen ist, obsolet. Denn wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist es dem Tier an sich egal, wie viele Artgenossen noch mit ihm unterbracht sind.

Für die Akzeptanz jeglicher Größe von Tieranlagen ist uns wichtig, dass die Investoren mit Transparenz mit ihren zukünftigen Nachbarn kommunizieren, ihre soziale und regionale Verantwortung erkennen und eine innere Bindung zu Region und Leuten aufbauen. Außerdem ist bedeutsam, dass ein Konzept zur Reststoffverwertung keinen Gülletourismus vorsieht, sondern nach Möglichkeit die Verwendung in Biogasanlagen. Diese vermindern nicht nur entscheidend die Geruchsbelästigung, sondern liefern wetterunabhängig regenerative Energie, Wärme und einen für den Ackerbau verträglicheren Dünger, als es Gülle im Ursprungszustand ist.

Manche scheinbar tierschutzwidrige Maßnahmen sind wichtig: Beispielsweise ist das Schleifen der Eckzähne bei Ferkeln unverzichtbar, wenn am Gesäuge der Sau Verletzungen festgestellt werden. Wird das Kupieren der Ferkelschwänze eingestellt, machen sich diese geselligen Tiere gegenseitig das Leben schwer: Wenn sich die Schweine bei Rangordnungskämpfen verletzen oder gegenseitig die Schwänze abbeißen, kann das nicht im Sinne des Tierschutzes sein.


Pflanzenschutz

Wenn der Landwirt mit seinem Düngerstreuer oder seiner Pflanzenschutzspritze über den Acker fährt, kommen einem oft Vorurteile in den Sinn: Überdüngung, Restspuren auf Lebensmitteln! Wenn man sich mit diesen Landwirten unterhält, wird man schnell erfahren, dass niemand mehr in der Landwirtschaft auf gut Glück Dünger oder Pflanzenschutzmittel auf seine Flächen bringt. Die Kosten für Dünger oder Pflanzenschutzmittel sind einfach zu hoch, um sie nicht zielgerichtet zu verwenden. Mit der Arbeit nach dem Schadschwellenprinzip werden Landwirte diesem Anspruch gerecht: Erst wenn ein bestimmtes Maß an Befall mit Unkräutern oder Schädlingen erreicht ist, werden Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt.

Die Forschung im Agrarbereich ist auf einem sehr hohen Niveau. Auch schreitet die Technisierung und damit die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten des Technikeinsatzes immer weiter voran. So kann man heutzutage erleben, wie unter dem Stichwort „precision farming“ (Präzisionsackerbau) Techniken zum Einsatz kommen, die spezifische Kennwerte auf Teilflächen erfassen und darauf Maßnahmen wie Düngung oder Pflanzenschutz abstimmen.

Mit den Rechtsvorschriften (wie beispielsweise der Düngeverordnung) werden Rahmenbedingungen vorgegeben, an die sich jeder Landwirtschaftsbetrieb zu halten hat. Zudem müssen Landwirte, die mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten, einen entsprechenden Sachkundenachweis vorlegen können. Die Einhaltung dieser Vorschriften wird in Deutschland regelmäßig kontrolliert.