Pressegespräch zur Ernte 2007 am 16. August 2007
in Magdeburg
Einschätzung der aktuellen Situation durch Präsident
Frank Zedler
Heute ist der 16. August und wir können in den meisten Regionen
Sachsen-Anhalts den Abschluss der Ernte von Getreide, Ölsaaten (Raps)
und Leguminosen feststellen. In Anhalt, in der Börde und im überwiegenden
Teil des südlichen Sachsen-Anhalts haben die Landwirte bis auf wenige
Restflächen die Mähdruschfrüchte eingebracht. Im Südharz
bis nach Sangerhausen und in der Altmark stehen nach unseren Schätzungen
noch ca. 10 % Winterweizen, das sind 30.000 ha und auch noch ca. 10 %
Winterroggen (8.000 ha).
Während wir die ersten Kulturen der Mähdruschernte, Wintergerste
und teilweise Raps mit 14 Tagen Vorlauf zu Normaljahren ernten konnten
und alles sehr zügig voranging, haben in den vergangenen Wochen die
häufigen und ergiebigen Niederschläge die Ernte erschwert und
in die Länge gezogen. Die Flächen im Landkreis Mansfeld/Südharz
werden sicher noch gut zu bergen sein, in der Altmark dagegen ist die
Situation schwieriger, Flächen sind teilweise nicht befahrbar, Durchwuchs
von Unkraut und Auswuchs der Körner in den Ähren ist auf Teilflächen
zu verzeichnen.
Insgesamt ist der zeitliche Vorlauf für die Folgearbeiten positiv
einzuschätzen, allerdings müssen die Flächen nach den erneuten
ergiebigen Niederschlägen natürlich auch abtrocknen und befahrbar
sein
Ich möchte eine Einschätzung der bisherigen
Ernteergebnisse aus der Sicht unseres Verbandes vornehmen. Unsere Kenntnisse
beruhen auf kontinuierliche Erntemeldungen von 30 Betrieben in Sachsen-Anhalt.
Diese melden im zweiwöchigen Abstand für die einzelnen Kulturen
den Stand der Ernte, die Erträge, schätzen die Qualitäten
ein und geben auch Meinungen zu den Preisen und zum Markt ab. Ich werde
den aktuellen Stand für die Mähdruschfrüchte, d.h. Getreide,
Raps und Erbsen vorstellen. Wir möchten Ihnen aber heute auch einen
Überblick über die Situation bei den anderen Kulturen und Produktionsbereichen
geben. Herr Dr. Nehring wird die Situation bei Rüben und Kartoffeln
analysieren, Herr Wagner auf die Sonderkulturen, Obst und Gemüse
eingehen und Herr Saage den Bereich Futter und Tierproduktion beleuchten
Ehe wir in die Details gehen, sollten wir noch einmal
auf den Vegetationsverlauf seit Herbst 2006 zurückblicken, denn Erträge
sind das Ergebnis der Situation während der gesamten Vegetation.
Zwar konnte die Aussaat der Herbstkulturen durch die vorzeitige Ernte
2006 sehr früh erfolgen. Sommer und Herbst waren aber von extremer
Trockenheit geprägt. Die Saaten lagen oft wochenlang im Boden ohne
aufzulaufen. Die meisten Bestände sind nicht optimal in den Winter
gegangen. Es gab lückenhaften Aufgang bei Raps und Wintergerste.
Bis zum Frühjahr hatten sich die Bestände dann ganz gut entwickelt,
doch durch die geringen Niederschläge / Schnee im Winter war noch
immer ein Niederschlagsdefizit aus dem Vorjahr von bis zu 150 mm und mehr
zu verzeichnen. Die bis Anfang Mai anhaltende extreme Frühjahrstrockenheit,
verbunden mit hohen Temperaturen, hat in einigen Regionen zu gravierenden
Trockenschäden geführt. Besonders betroffen waren das Jerichower
Land, Anhalt-Zerbst und der Fläming sowie die an Brandenburg angrenzenden
Bereiche in Jessen. In diesen Regionen kam der Mairegen zu spät.
Hohe Ertragsausfälle bis 50 % waren zu erwarten und sind teilweise
auch eingetreten. Aber auch auf den guten Standorten haben Getreide- und
Rapspflanzen auf das im April fehlende Wasser reagiert, wie die jetzt
vorliegenden Ergebnisse zeigen. Die Bestände sahen zwar gut aus,
wir Praktiker sprechen davon, dass sie blenden und nicht das bringen,
was man aus optischer Sicht erwartet hat.
Anbau
Das statistische Landesamt hat eingeschätzt, dass in diesem
Jahr 550.000 ha Getreide in Sachsen-Anhalt stehen, das sind 2 % oder 13.000
ha weniger als im Vorjahr. Dazu kommen 182.000 ha Raps. Insgesamt wurden
von rund 750.000 ha Früchte mit Mähdreschern geerntet, das ist
¾ der gesamten Ackerfläche des Landes. Im Vergleich zum Vorjahr
ist die Winterweizenfläche etwas verringert, Winterroggen ist um
ein Viertel auf 82.000 ha angestiegen, sicher bedingt durch die Nachfrage
als NWR für Bioethanol und durch bessere Preise im Herbst 2006.
Winterraps ist auch um ca. 15.000 auf 182.000 ha angestiegen. Sachsen-Anhalt
hat damit im Vergleich der Bundesländer hinter Mecklenburg-Vorpommern
die zweithöchste Rapsfläche, liegt aber immer noch in einem
vertretbaren Anbauumfang, auch wenn Sie als Medienvertreter im Frühjahr
bei blühenden Rapsfeldern uns oft fragen, ob das nicht problematisch
ist. Auch der Rapsmarkt wird wesentlich vom Biokraftstoffmarkt beeinflusst
und die Nachfrage nach Rapsöl überhaupt ist groß.
Erträge
Ich möchte schon vorweg nehmen, dass wir bei allen Getreidekulturen
Erträge unter dem mehrjährigen Mittel geerntet haben. Laut Statistik
wird die Getreideernte 5.6 % niedriger als im Vorjahr ausfallen, das entspricht
einer Mengenminderung von rund 200.000 t, resultierend aus der verringerten
Fläche, aber auch einem unter dem Vorjahr liegenden eingeschätzten
Hektarertrag von 62 dt/ha (VJ 64,2 dt/ha).Die Ertragsmeldungen der Landwirte
an den LBV zeigen noch deutlich darunterliegende Erträge an. Das
gilt auch für Winterraps.
Wintergerste
Hier wird von uns nach Ernteabschluss der 105.000 ha mit einem
durchschnittlichen Ertrag um 60 dt/ha gerechnet (VJ 67,5). Unsere Meldebetriebe
verzeichnen gegenüber 2006 Mindererträge bis zu 20 %. Bei Gerste
haben die ungünstigen Bedingungen im Herbst eine große Wirkung
gehabt und führten in gleichen Regionen zu sehr differenzierten Erträgen.
Dazu kamen hohe Verluste durch Knickähren, auf vielen Flächen
wurden über 100 Ähren auf dem Boden gefunden.
Winterweizen
Mit 320.000 ha ist WW die wichtigste Kultur, und Ertragsminderungen
schlagen sich im Betriebsergebnis in den Weizenanbauregionen besonders
deutlich nieder. Wir erwarten einen Durchschnittsertrag um 65 dt/ha, der
liegt deutlich unter dem mehrjährigen Mittel (71,8). Besonders in
der Börde sind die Weizenerträge völlig unbefriedigend.
Die Betriebe streben Erträge von 75 bis 80 dt/ha an, entsprechend
hoch sind die Aufwendungen an Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das
wurde in diesem Jahr von den Pflanzen nicht umgesetzt.
Getreideexperten vermuten, dass die Trockenheit im Frühjahr zu einer
geringen Bestockung geführt hat, es wurden weniger ährentragende
Halme gebildet. Die Bestände machten zwar optisch einen guten Eindruck,
die realen Erträge zeigten aber, dass sich die Pflanzen gegen die
Trockenheit gewehrt haben. Dazu kommen hohe Ernteverluste durch Knickähren
und ausgefallene Körner. Die Qualitäten sind gut und es wurde
Weizen geerntet, der für Brotmehl geeignet ist.
Winterroggen
Mit 82 000 ha Roggen ist die Fläche um 25 % höher
als im Vorjahr. Dieser deutliche Anstieg ist sicher der gestiegenen Nachfrage
aus dem Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, aber auch den wesentlich
besseren Preisen zuzuschreiben. Damit hat Roggen seinen wichtigen Platz
in den Fruchtfolgen der leichten Standorte ausgebaut, was positiv zu bewerten
ist.
Der Ertrag ist mehr als enttäuschend für die
Roggengebiete. Er wird aus unserem Kenntnisstand unter 45 dt/ha liegen.
Allerdings sind auch in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt Roggenerträge
deutlich unter 50 dt/ha erreicht worden.
Braugerste
In den letzten Wochen war Braugerste und die angeblich damit
verbundenen Preissteigerungen bei Bier ein wichtiges Medienthema. Die
ZMP schreibt dazu: „Die Versorgung mit Braugerste wird in Deutschland
auch in diesem Jahr knapp ausfallen. Ursache sind teils erhebliche Ertragseinbußen,
schwankende Qualitäten sowie eine kleinere Anbaufläche.“
Auch in Sachsen-Anhalt ist die Sommergerstenfläche mit rund 13.000
ha auf einem historischen Tief. Zum Vergleich wurden 2003 noch 33.000
ha angebaut. Ursache für den Ausstieg aus diesem Zweig sind die jahrelang
niedrigen Preise. Im VJ wurden 52 dt/ha geerntet, in diesem Jahr werden
es 10 bis 15 % weniger sein. Vielleicht führen die erfreulich hohen
Preise von 22 €/dt und mehr (VJ 13.5 €/dt) dazu, das wieder
mehr Landwirte in diese Kultur einsteigen.
Winterraps
Mitte Juni haben die Landwirte bei Raps einen Ertrag um 35 dt
/ha geschätzt. Trockenheit und Spätfröste haben bei einigen
Rapssorten zum Abwurf von Schoten geführt. Es war schwer einzuschätzen,
in wie weit die verbliebenen Schoten das kompensieren könnten. Die
Rapserträge haben bei weitem nicht die Erwartungen der Landwirte
erfüllt. Es sind Mindererträge bis zu 25 % zu verzeichnen, wir
rechnen mit einem durchschnittlichen Ertrag, der unter 30 dt/ha. In den
vergangenen Jahren haben wir über 38 dt/ha geerntet. Die niedrigen
Erträge sind auch durch hohe Verluste bei der Ernte begründet,
die Pflanzen reiften sehr unterschiedlich ab, oben vielen die Rapssamen
aus und unten waren die Schoten und Stängel noch grün. Da Raps
in Sachsen-Anhalt den zweithöchsten Anbauumfang einnimmt, sind das
enorme ökonomische Ausfälle. Dazu kommen hohe Aufwendungen im
Pflanzenschutz gegen tierische Schaderreger, auch Menschen wurden von
Rapsglanzkäfern besiedelt.
Erbsen
Bei Erbsen liegt die Anbaufläche 2007 nur noch bei 9.000
ha von einst 40.000. Im Juni wurden die Bestände noch optimistisch
bewertet. Inzwischen haben die schwierigen Erntebedingungen zu hohen Ausfällen
und zu Mindererträgen um 30 % geführt. Das macht die Erbsen
im Vergleich zu anderen Kulturen nicht mehr anbauwürdig, wir brauchen
sie aber für eine ausgewogene Fruchtfolge.
Energiepflanzen und nachwachsende Rohstoffe
Der Anbauumfang von Energiepflanzen ist gegenüber dem Vorjahr
deutlich angestiegen, Flächenausdehnungen sind bei den Fruchtarten
zu verzeichnen, die als nachwachsender Rohstoff u.a. für die Biokraftstoff-
und Biogasproduktion eingesetzt werden, wie Raps, Silomais, Roggen und
Zuckerrüben. Eine problematische Konkurrenzsituation zu Nm und auch
Monokulturen bei Raps und Mais ist im Land nicht gegeben. Insgesamt führt
der Bedarf an Energiepflanzen für Biodiesel und Bioethanol zu einer
Stabilisierung des Marktes. Der ausgezeichnete Zustand der Maisflächen,
die von Wärme und Niederschlägen profitieren, bringt Sicherheit
für die Futterversorgung, aber auch für die Biogasanlagen.
Einschätzung Erträge, Kosten und Preise
Für eine ausgewogene Analyse muss man Erträge, Kosten
und Preise vergleichen. Bei allen Mähdruschkulturen liegen die Erträge
erheblich unter dem mehrjährigen Mittel (2001 bis 2006). Die Preise
sind zwar stark gestiegen und liegen deutlich über dem Vorjahr.
Dagegen muss man die Kosten für die Produktion betrachten,
Gegenüber dem Vorjahr sind die Kosten für Betriebsmitteln wie
Energie und Kraftstoffe um ca. 10 % angestiegen. Auch die Aufwendungen
für Pflanzenschutz liegen wegen des hohen Schaderregerbefalls (Beispiel
Rapsglanzkäfer), starkem Unkrautwuchs u. a. deutlich über dem
VJ. Dazu stiegen die Preise für Dünger und Pflanzenschutzmittel
erheblich. Für das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Betriebe
ist entscheidend wie sich Erträge, Kosten und erzielte Verkaufspreise
zueinander verhalten. Es ergeben sich regional und betrieblich große
Unterschiede. Wenn man von aktuell guten Verkaufspreisen spricht darf
man nicht vergessen, das bei Raps und Wintergerste sich der Preis für
erhebliche Mengen aus Vorkontrakten ergibt, auch bei Winterweizen waren
ca. 1/3 der Erntemenge durch Vorkontrakte zu deutlich niedrigeren Preisen
gebunden. So zählt für den einzelnen Betrieb zum Schluss, was
für einen Verkaufspreis er im Mittel erreicht hat. Bei dieser Betrachtungsweise
können wir davon ausgehen, dass es im Marktfruchtbereich gegenüber
dem Vorjahr kaum Mehrerlöse geben wird.
Vizepräsident Horst Saage zur Futter- und
Tierproduktion
Zunächst als Vizepräsident, der für die Öffentlichkeitsarbeit
und Medien zuständig ist, herzlichen Dank an Sie für die stets
objektive und durchaus beachtenswerte Darstellung der Landwirtschaft und
ihrer Probleme in den verschiedensten Medien. Sie haben sich stets bemüht,
sowohl aktuell, als auch mit dem notwendigen Hintergrund über die
Landwirtschaft zu berichten und manches ist etwas komplizierter, als in
anderen Bereichen, weil wir es mit zwei Unbekannten (vielleicht auch Unberechenbaren)
in unserer täglichen Arbeit zu tun haben, nämlich mit dem Wetter
und mit der Politik. Präsident Zedler hat schon über die Wettersituation
und deren Auswirkung auf die Mähdruschfrüchte berichtet, ich
möchte in meinem Teil den speziellen Teil der Futterproduktion kurz
einschätzen. Über Politik können wir dann im Anschluss
reden.
In Sachsen-Anhalt gibt es rund 170.000 ha Grünland.
Der erste Schnitt hatte sehr stark unter der Trockenheit und Hitze im
April gelitten. Es sah zunächst nach Futterknappheit aus, weil im
Landesdurchschnitt nur etwa 50 % der üblichen Erträge beim ersten
Schnitt Ende April/Anfang Mai erreicht wurden. Unserem Antrag, die Stilllegungsflächen
zur Futternutzung freizugeben, wurde recht unbürokratisch durch Landesentscheid
entsprochen. Vor allem Schäfer und Aufzuchtbetriebe nutzten diese
Möglichkeit und konnten erste komplizierte Situationen überbrücken.
Ab Mai ging überdurchschnittlicher Regen nieder
und bis heute hat es in vielen Regionen schon mehr als die übliche
Jahresmenge geregnet. In der Altmark ist man inzwischen bei fast 600 mm
angekommen. Das hat sich sehr positiv auf Grünland und Futterwachstum,
einschließlich Mais, ausgewirkt. Wir werden in Sachsen-Anhalt ausreichend
Futter ernten und Reserven anlegen können. Damit sind durch ausreichend
Futter in guter Qualität gute Voraussetzungen für Rind- und
Schafhaltung gegeben. Trotzdem gibt es gerade in der Tierproduktion große
Unzufriedenheit, weil gestiegene Kosten – auch durch höhere
Getreidepreise – positive Ergebnisse kaum noch ermöglichen.
Dazu kommen nach wie vor unzureichende Preise für Milch und auch
für Schweine und Rindfleisch.
Zunächst zur Milch:
Die Preissteigerungen für Milch und Molkereiprodukte Ende
Juli/Anfang August haben ja heftige Diskussionen ausgelöst, die auch
noch nicht zu Ende sind. Gestern gab es ja die Meldung, dass das Bundeskartellamt
die Durchsuchung der Diensträume des Milchindustrieverbandes und
der ZMP wegen des Verdachts der Preisabsprache eingeleitet hat. Daran
kann man erkennen, wie nervös reagiert wird, dabei macht die Preissteigerung
bei Butter für eine dreiköpfige Familie im Monat eine Schachtel
Zigaretten aus! Mineralöl- und Stromkonzerne lösen offenbar
kaum Reaktionen aus und fahren Milliardengewinne ein. Wir Bauern können
mit 30 Cent je Liter Milch noch nicht leben, an schwere Gewinne ist erst
recht nicht zu denken.
Nach Analysen unseres Verbandes ist der Milchpreis von Juni zu Juli und
August von etwa 28 Cent auf 31,5 Cent im Durchschnitt angestiegen. Weitere
Anhebungen haben die Molkereien in Aussicht gestellt. Wir erwarten jetzt
deutliche Signale, weil es für die äußerst aufwändige
und an 365 Tagen mit gleich guter Qualität zu verrichtende Arbeit
eine anständige Bezahlung geben muss. Wir Bauern gehen mit unserem
Geld und unserer Arbeit in Vorleistung, manchmal ein ganzes Jahr. Der
Einzelhandel bekommt sein Geld in der Stunde des Warenumsatzes, denn niemand
verlässt die Kaufhalle, ohne bar zu bezahlen. Molkereiprodukte haben
Umschlagszeiten von weniger als 10 Tagen, werden aber vom Handel erst
nach 48 Tagen bezahlt. Und ehe das Geld beim Produzenten der Milch ist,
vergeht im Allgemeinen noch ein Monat. Das ist ungerecht, vielleicht auch
Betrug!
Noch einige wenige Worte zum Rind- und Schweinefleisch:
Die Preise sind trotz gestiegener Absatzzahlen auf einem Tiefpunkt.
Mitte Juni hatte unser Präsidium in einer Erklärung dies ausdrücklich
beklagt. Diese Erklärung war auch die Grundlage für einen Einschließungsantrag
auf dem Deutschen Bauerntag in Bamberg zu diesem Thema. Vor allem die
stark gestiegenen Futter- und Energiekosten machen dem Rind- und Schweinefleischproduzenten
zu schaffen. Beim Mischfutter stiegen die Preise um über 40 % an.
Da Schweine ausschließlich Kraftfutter fressen, gehen diese Kosten
voll in die Produktionskosten. Steigender Bedarf an Fleisch weltweit und
leere Lagerstätten werden hoffentlich auch hier bald eine Wende einleiten.
Vizepräsident Dr. Wolfgang Nehring zu Zuckerüben
und Kartoffeln
Kartoffeln
Die Kartoffelernte hat gerade erst begonnen, es ist deshalb
noch keine endgültige Einschätzung möglich. Es wird mit
einer unterdurchschnittlichen, aber Bedarf deckende Erntemenge gerechnet.
Bei vielen Sorten ist ein geringer Knollenansatz zu verzeichnen, deutlich
geringer als im Vorjahr. Ursache könnte die Trockenheit bis Anfang
Mai sein. Kartoffelexperten sprechen auch davon, dass das Pflanzgut aus
2006 nicht genügend Kraft hatte. Dafür sind die einzelnen Knollen
durch die Niederschläge größer, man spricht von grob fallender
Ware. Die ständigen Niederschläge verursachten einen großen
Befallsdruck durch pilzliche Erreger (Krautfäule). Die mehrfach durchgeführten
Pflanzenschutzmaßnahmen waren teilweise unwirksam, weil es gleich
wieder auf den gespritzten Blattapparat regnete. Die dadurch aufgetretenen
hohen Kosten mindern das Betriebsergebnis.
Das Frühkartoffelgeschäft ist für die Landwirte gut verlaufen
und auch jetzt befinden sich die Kartoffelpreise für die Bauern auf
einem guten Niveau. Das liegt zwar 30 % unter dem Vorjahr, mit 15 €/dt
aber deutlich über dem Mittel der letzten Jahre.
Zuckerrüben
Die Zuckerrübenbestände sehen insgesamt sehr gut aus,
sie profitieren von den hohen Niederschlägen. Die ersten Proberodungen
ergeben gegenüber dem Vorjahr 25 % höhere Erträge bei gleichem
Zuckergehalt. Das lässt einen Rübenertrag von 554 dt/ha erwarten,
deutlich über dem langjährigen Mittel. Mit 49.000 ha ist das
alte Anbauniveau wieder erreicht, gegenüber 2006 stehen in Sachsen-Anhalt
7.000 ha mehr Rüben. Die Anbauerweiterung wird durch den Bedarf der
Rübenethanolfabrik in Klein Wanzleben verursacht, für 2008 ist
eine nochmalige Anbauausdehnung zu erwarten.
Die Preiseinschnitte durch die neuen Regelungen haben
Rüben gegenüber anderen Kulturen , insbesondere Weizen, ihre
Vorzüglichkeit eingebußt, ihr Anbau ist aber für eine
ausgewogene Fruchtfolge unbedingt notwendig.
Vizepräsident Torsten Wagner zu Sonderkulturen
Heil- und Gewürzpflanzen
Bei den Feinsämereien wie z. B. Heil- und Gewürzpflanzen
(Anbauumfang ca. 800 ha) führte der fehlende Niederschlag im April
dazu, dass die Saat nicht aufging und wochenlang im Boden lag. Der Pflanzenaufgang
im Mai war dann nicht nur zeitlich stark verzögert, sondern auch
lückenhaft. Einige Flächen sind Totalausfälle. Für
den Aufwuchs wiederum war es zu nass und die fehlende Sonneneinstrahlung
verminderte die Einlagerung von Alkaloiden, d.h. die Würzkraft ist
verringert.
Die Ernte von Majoran, die jetzt beginnen müsste, wird durch ständige
Niederschläge immer wieder verzögert. Die Pflanzen sind für
die normale Einstellung der Mähwerkzeuge zu niedrig, was weitere
Ernteverluste bedeutet. Erwartet werden beim Majoran höchstens 60%
des durchschnittlichen Ertrages. Thymian und Bohnenkraut kamen besser
mit den Witterungsbedingungen zurecht. Hier wird eine mittlere Ernte erwartet.
Die Ernteergebnisse und Verkaufserlöse haben für die spezialisierten
Betriebe einen großen Einfluss auf das Gesamtbetriebsergebnis.
Zwiebeln
Es wird eine gute Zwiebelernte erwartet. Der viele Niederschlag
hat den Zwiebeln nicht geschadet, sondern hier zu einem guten Aufwuchs
geführt.
Gemüse
Nach einem verzögerten Aufgang wegen der fehlenden Niederschläge
im April kamen die Niederschläge noch zur richtigen Zeit und viele
Gemüsearten, z. B. Grüne Bohnen, Mohrrüben und Broccoli
sind in guter Qualität und Quantität gewachsen.
Eine gute Saison konnten die Spargelanbauer verzeichnen. Auf 1.200 ha
ernteten sie mit 46,3 dt/ha 9 dt/ha mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz
zu allen anderen Kulturen profitierte der Spargel von der Witterung und
bracht zu den hohen Erträgen auch gute Qualitäten. Auch die
Preise blieben auf einem guten Niveau.
Obst
Im Süden Sachsen-Anhalts hat Spätfrost die Süßkirschenblüte
geschädigt, deshalb wurden dort nur 50% einer durchschnittlichen
Ernte gepflückt, auch in anderen Teilen Sachsen-Anhalts sind die
Süßkirschen stark ausgefallen. Auch bei Aprikosen entstanden
Ausfälle durch Frost. Die Sauerkirschenernte dagegen war im Süden
sehr gut. Insgesamt muss eingeschätzt werden, dass die Obsternte
regional sehr unterschiedlich ausgefallen ist, aber mehr als ganz normale,
durchschnittliche Erträge werden nirgends gemeldet.
Der Ansatz bei Äpfeln ist vielversprechend, genaue Angaben können
aber jetzt noch nicht gemacht werden.
Die Erdbeerernte fiel schlechter aus als im Vorjahr, besonders die Niederschläge
im Juni brachten Probleme. Es wird ein Ertrag von 73,2 dt/ha geschätzt,
das sind fast 10 dt/ha unter dem Ertrag des Vorjahres.
Hopfen
Die Hopfenerträge in Sachsen-Anhalt sind durchschnittlich.
Fazit und Ausblick
Wir Landwirte wissen, dass wir ein Gewerbe unter freiem Himmel
betreiben und folglich Erträge, Qualitäten und Erlöse nicht
voll kalkulierbar sind. Wir haben versucht, alles richtig zu machen und
dann hat uns die Witterung um einen Teil des Lohnes gebracht.
Wir Bauern garantieren die Versorgung der Bevölkerung mit guten Nahrungsmitteln,
tragen zur Entspannung des Energiesektors bei und erhalten die Kulturlandschaft.
Das sollte die Gesellschaft ohne Zweifel honorieren.
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