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Landesbauernverband Sachsen-Anhalt e.V.

PRESSEMITTEILUNGEN 2007


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Medieninformation vom: 30.07.2007

Pressegespräch zur Ernte 2007 am 16. August 2007 in Magdeburg

Einschätzung der aktuellen Situation durch Präsident Frank Zedler
Heute ist der 16. August und wir können in den meisten Regionen Sachsen-Anhalts den Abschluss der Ernte von Getreide, Ölsaaten (Raps) und Leguminosen feststellen. In Anhalt, in der Börde und im überwiegenden Teil des südlichen Sachsen-Anhalts haben die Landwirte bis auf wenige Restflächen die Mähdruschfrüchte eingebracht. Im Südharz bis nach Sangerhausen und in der Altmark stehen nach unseren Schätzungen noch ca. 10 % Winterweizen, das sind 30.000 ha und auch noch ca. 10 % Winterroggen (8.000 ha).
Während wir die ersten Kulturen der Mähdruschernte, Wintergerste und teilweise Raps mit 14 Tagen Vorlauf zu Normaljahren ernten konnten und alles sehr zügig voranging, haben in den vergangenen Wochen die häufigen und ergiebigen Niederschläge die Ernte erschwert und in die Länge gezogen. Die Flächen im Landkreis Mansfeld/Südharz werden sicher noch gut zu bergen sein, in der Altmark dagegen ist die Situation schwieriger, Flächen sind teilweise nicht befahrbar, Durchwuchs von Unkraut und Auswuchs der Körner in den Ähren ist auf Teilflächen zu verzeichnen.
Insgesamt ist der zeitliche Vorlauf für die Folgearbeiten positiv einzuschätzen, allerdings müssen die Flächen nach den erneuten ergiebigen Niederschlägen natürlich auch abtrocknen und befahrbar sein

Ich möchte eine Einschätzung der bisherigen Ernteergebnisse aus der Sicht unseres Verbandes vornehmen. Unsere Kenntnisse beruhen auf kontinuierliche Erntemeldungen von 30 Betrieben in Sachsen-Anhalt. Diese melden im zweiwöchigen Abstand für die einzelnen Kulturen den Stand der Ernte, die Erträge, schätzen die Qualitäten ein und geben auch Meinungen zu den Preisen und zum Markt ab. Ich werde den aktuellen Stand für die Mähdruschfrüchte, d.h. Getreide, Raps und Erbsen vorstellen. Wir möchten Ihnen aber heute auch einen Überblick über die Situation bei den anderen Kulturen und Produktionsbereichen geben. Herr Dr. Nehring wird die Situation bei Rüben und Kartoffeln analysieren, Herr Wagner auf die Sonderkulturen, Obst und Gemüse eingehen und Herr Saage den Bereich Futter und Tierproduktion beleuchten

Ehe wir in die Details gehen, sollten wir noch einmal auf den Vegetationsverlauf seit Herbst 2006 zurückblicken, denn Erträge sind das Ergebnis der Situation während der gesamten Vegetation. Zwar konnte die Aussaat der Herbstkulturen durch die vorzeitige Ernte 2006 sehr früh erfolgen. Sommer und Herbst waren aber von extremer Trockenheit geprägt. Die Saaten lagen oft wochenlang im Boden ohne aufzulaufen. Die meisten Bestände sind nicht optimal in den Winter gegangen. Es gab lückenhaften Aufgang bei Raps und Wintergerste. Bis zum Frühjahr hatten sich die Bestände dann ganz gut entwickelt, doch durch die geringen Niederschläge / Schnee im Winter war noch immer ein Niederschlagsdefizit aus dem Vorjahr von bis zu 150 mm und mehr zu verzeichnen. Die bis Anfang Mai anhaltende extreme Frühjahrstrockenheit, verbunden mit hohen Temperaturen, hat in einigen Regionen zu gravierenden Trockenschäden geführt. Besonders betroffen waren das Jerichower Land, Anhalt-Zerbst und der Fläming sowie die an Brandenburg angrenzenden Bereiche in Jessen. In diesen Regionen kam der Mairegen zu spät. Hohe Ertragsausfälle bis 50 % waren zu erwarten und sind teilweise auch eingetreten. Aber auch auf den guten Standorten haben Getreide- und Rapspflanzen auf das im April fehlende Wasser reagiert, wie die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen. Die Bestände sahen zwar gut aus, wir Praktiker sprechen davon, dass sie blenden und nicht das bringen, was man aus optischer Sicht erwartet hat.

Anbau
Das statistische Landesamt hat eingeschätzt, dass in diesem Jahr 550.000 ha Getreide in Sachsen-Anhalt stehen, das sind 2 % oder 13.000 ha weniger als im Vorjahr. Dazu kommen 182.000 ha Raps. Insgesamt wurden von rund 750.000 ha Früchte mit Mähdreschern geerntet, das ist ¾ der gesamten Ackerfläche des Landes. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Winterweizenfläche etwas verringert, Winterroggen ist um ein Viertel auf 82.000 ha angestiegen, sicher bedingt durch die Nachfrage als NWR für Bioethanol und durch bessere Preise im Herbst 2006.
Winterraps ist auch um ca. 15.000 auf 182.000 ha angestiegen. Sachsen-Anhalt hat damit im Vergleich der Bundesländer hinter Mecklenburg-Vorpommern die zweithöchste Rapsfläche, liegt aber immer noch in einem vertretbaren Anbauumfang, auch wenn Sie als Medienvertreter im Frühjahr bei blühenden Rapsfeldern uns oft fragen, ob das nicht problematisch ist. Auch der Rapsmarkt wird wesentlich vom Biokraftstoffmarkt beeinflusst und die Nachfrage nach Rapsöl überhaupt ist groß.

Erträge
Ich möchte schon vorweg nehmen, dass wir bei allen Getreidekulturen Erträge unter dem mehrjährigen Mittel geerntet haben. Laut Statistik wird die Getreideernte 5.6 % niedriger als im Vorjahr ausfallen, das entspricht einer Mengenminderung von rund 200.000 t, resultierend aus der verringerten Fläche, aber auch einem unter dem Vorjahr liegenden eingeschätzten Hektarertrag von 62 dt/ha (VJ 64,2 dt/ha).Die Ertragsmeldungen der Landwirte an den LBV zeigen noch deutlich darunterliegende Erträge an. Das gilt auch für Winterraps.

Wintergerste
Hier wird von uns nach Ernteabschluss der 105.000 ha mit einem durchschnittlichen Ertrag um 60 dt/ha gerechnet (VJ 67,5). Unsere Meldebetriebe verzeichnen gegenüber 2006 Mindererträge bis zu 20 %. Bei Gerste haben die ungünstigen Bedingungen im Herbst eine große Wirkung gehabt und führten in gleichen Regionen zu sehr differenzierten Erträgen. Dazu kamen hohe Verluste durch Knickähren, auf vielen Flächen wurden über 100 Ähren auf dem Boden gefunden.

Winterweizen
Mit 320.000 ha ist WW die wichtigste Kultur, und Ertragsminderungen schlagen sich im Betriebsergebnis in den Weizenanbauregionen besonders deutlich nieder. Wir erwarten einen Durchschnittsertrag um 65 dt/ha, der liegt deutlich unter dem mehrjährigen Mittel (71,8). Besonders in der Börde sind die Weizenerträge völlig unbefriedigend. Die Betriebe streben Erträge von 75 bis 80 dt/ha an, entsprechend hoch sind die Aufwendungen an Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das wurde in diesem Jahr von den Pflanzen nicht umgesetzt.
Getreideexperten vermuten, dass die Trockenheit im Frühjahr zu einer geringen Bestockung geführt hat, es wurden weniger ährentragende Halme gebildet. Die Bestände machten zwar optisch einen guten Eindruck, die realen Erträge zeigten aber, dass sich die Pflanzen gegen die Trockenheit gewehrt haben. Dazu kommen hohe Ernteverluste durch Knickähren und ausgefallene Körner. Die Qualitäten sind gut und es wurde Weizen geerntet, der für Brotmehl geeignet ist.

Winterroggen
Mit 82 000 ha Roggen ist die Fläche um 25 % höher als im Vorjahr. Dieser deutliche Anstieg ist sicher der gestiegenen Nachfrage aus dem Bereich der nachwachsenden Rohstoffe, aber auch den wesentlich besseren Preisen zuzuschreiben. Damit hat Roggen seinen wichtigen Platz in den Fruchtfolgen der leichten Standorte ausgebaut, was positiv zu bewerten ist.

Der Ertrag ist mehr als enttäuschend für die Roggengebiete. Er wird aus unserem Kenntnisstand unter 45 dt/ha liegen. Allerdings sind auch in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt Roggenerträge deutlich unter 50 dt/ha erreicht worden.

Braugerste
In den letzten Wochen war Braugerste und die angeblich damit verbundenen Preissteigerungen bei Bier ein wichtiges Medienthema. Die ZMP schreibt dazu: „Die Versorgung mit Braugerste wird in Deutschland auch in diesem Jahr knapp ausfallen. Ursache sind teils erhebliche Ertragseinbußen, schwankende Qualitäten sowie eine kleinere Anbaufläche.“ Auch in Sachsen-Anhalt ist die Sommergerstenfläche mit rund 13.000 ha auf einem historischen Tief. Zum Vergleich wurden 2003 noch 33.000 ha angebaut. Ursache für den Ausstieg aus diesem Zweig sind die jahrelang niedrigen Preise. Im VJ wurden 52 dt/ha geerntet, in diesem Jahr werden es 10 bis 15 % weniger sein. Vielleicht führen die erfreulich hohen Preise von 22 €/dt und mehr (VJ 13.5 €/dt) dazu, das wieder mehr Landwirte in diese Kultur einsteigen.

Winterraps
Mitte Juni haben die Landwirte bei Raps einen Ertrag um 35 dt /ha geschätzt. Trockenheit und Spätfröste haben bei einigen Rapssorten zum Abwurf von Schoten geführt. Es war schwer einzuschätzen, in wie weit die verbliebenen Schoten das kompensieren könnten. Die Rapserträge haben bei weitem nicht die Erwartungen der Landwirte erfüllt. Es sind Mindererträge bis zu 25 % zu verzeichnen, wir rechnen mit einem durchschnittlichen Ertrag, der unter 30 dt/ha. In den vergangenen Jahren haben wir über 38 dt/ha geerntet. Die niedrigen Erträge sind auch durch hohe Verluste bei der Ernte begründet, die Pflanzen reiften sehr unterschiedlich ab, oben vielen die Rapssamen aus und unten waren die Schoten und Stängel noch grün. Da Raps in Sachsen-Anhalt den zweithöchsten Anbauumfang einnimmt, sind das enorme ökonomische Ausfälle. Dazu kommen hohe Aufwendungen im Pflanzenschutz gegen tierische Schaderreger, auch Menschen wurden von Rapsglanzkäfern besiedelt.

Erbsen
Bei Erbsen liegt die Anbaufläche 2007 nur noch bei 9.000 ha von einst 40.000. Im Juni wurden die Bestände noch optimistisch bewertet. Inzwischen haben die schwierigen Erntebedingungen zu hohen Ausfällen und zu Mindererträgen um 30 % geführt. Das macht die Erbsen im Vergleich zu anderen Kulturen nicht mehr anbauwürdig, wir brauchen sie aber für eine ausgewogene Fruchtfolge.

Energiepflanzen und nachwachsende Rohstoffe
Der Anbauumfang von Energiepflanzen ist gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen, Flächenausdehnungen sind bei den Fruchtarten zu verzeichnen, die als nachwachsender Rohstoff u.a. für die Biokraftstoff- und Biogasproduktion eingesetzt werden, wie Raps, Silomais, Roggen und Zuckerrüben. Eine problematische Konkurrenzsituation zu Nm und auch Monokulturen bei Raps und Mais ist im Land nicht gegeben. Insgesamt führt der Bedarf an Energiepflanzen für Biodiesel und Bioethanol zu einer Stabilisierung des Marktes. Der ausgezeichnete Zustand der Maisflächen, die von Wärme und Niederschlägen profitieren, bringt Sicherheit für die Futterversorgung, aber auch für die Biogasanlagen.

Einschätzung Erträge, Kosten und Preise
Für eine ausgewogene Analyse muss man Erträge, Kosten und Preise vergleichen. Bei allen Mähdruschkulturen liegen die Erträge erheblich unter dem mehrjährigen Mittel (2001 bis 2006). Die Preise sind zwar stark gestiegen und liegen deutlich über dem Vorjahr.

Dagegen muss man die Kosten für die Produktion betrachten, Gegenüber dem Vorjahr sind die Kosten für Betriebsmitteln wie Energie und Kraftstoffe um ca. 10 % angestiegen. Auch die Aufwendungen für Pflanzenschutz liegen wegen des hohen Schaderregerbefalls (Beispiel Rapsglanzkäfer), starkem Unkrautwuchs u. a. deutlich über dem VJ. Dazu stiegen die Preise für Dünger und Pflanzenschutzmittel erheblich. Für das betriebswirtschaftliche Ergebnis der Betriebe ist entscheidend wie sich Erträge, Kosten und erzielte Verkaufspreise zueinander verhalten. Es ergeben sich regional und betrieblich große Unterschiede. Wenn man von aktuell guten Verkaufspreisen spricht darf man nicht vergessen, das bei Raps und Wintergerste sich der Preis für erhebliche Mengen aus Vorkontrakten ergibt, auch bei Winterweizen waren ca. 1/3 der Erntemenge durch Vorkontrakte zu deutlich niedrigeren Preisen gebunden. So zählt für den einzelnen Betrieb zum Schluss, was für einen Verkaufspreis er im Mittel erreicht hat. Bei dieser Betrachtungsweise können wir davon ausgehen, dass es im Marktfruchtbereich gegenüber dem Vorjahr kaum Mehrerlöse geben wird.

Vizepräsident Horst Saage zur Futter- und Tierproduktion
Zunächst als Vizepräsident, der für die Öffentlichkeitsarbeit und Medien zuständig ist, herzlichen Dank an Sie für die stets objektive und durchaus beachtenswerte Darstellung der Landwirtschaft und ihrer Probleme in den verschiedensten Medien. Sie haben sich stets bemüht, sowohl aktuell, als auch mit dem notwendigen Hintergrund über die Landwirtschaft zu berichten und manches ist etwas komplizierter, als in anderen Bereichen, weil wir es mit zwei Unbekannten (vielleicht auch Unberechenbaren) in unserer täglichen Arbeit zu tun haben, nämlich mit dem Wetter und mit der Politik. Präsident Zedler hat schon über die Wettersituation und deren Auswirkung auf die Mähdruschfrüchte berichtet, ich möchte in meinem Teil den speziellen Teil der Futterproduktion kurz einschätzen. Über Politik können wir dann im Anschluss reden.

In Sachsen-Anhalt gibt es rund 170.000 ha Grünland. Der erste Schnitt hatte sehr stark unter der Trockenheit und Hitze im April gelitten. Es sah zunächst nach Futterknappheit aus, weil im Landesdurchschnitt nur etwa 50 % der üblichen Erträge beim ersten Schnitt Ende April/Anfang Mai erreicht wurden. Unserem Antrag, die Stilllegungsflächen zur Futternutzung freizugeben, wurde recht unbürokratisch durch Landesentscheid entsprochen. Vor allem Schäfer und Aufzuchtbetriebe nutzten diese Möglichkeit und konnten erste komplizierte Situationen überbrücken.

Ab Mai ging überdurchschnittlicher Regen nieder und bis heute hat es in vielen Regionen schon mehr als die übliche Jahresmenge geregnet. In der Altmark ist man inzwischen bei fast 600 mm angekommen. Das hat sich sehr positiv auf Grünland und Futterwachstum, einschließlich Mais, ausgewirkt. Wir werden in Sachsen-Anhalt ausreichend Futter ernten und Reserven anlegen können. Damit sind durch ausreichend Futter in guter Qualität gute Voraussetzungen für Rind- und Schafhaltung gegeben. Trotzdem gibt es gerade in der Tierproduktion große Unzufriedenheit, weil gestiegene Kosten – auch durch höhere Getreidepreise – positive Ergebnisse kaum noch ermöglichen. Dazu kommen nach wie vor unzureichende Preise für Milch und auch für Schweine und Rindfleisch.

Zunächst zur Milch:
Die Preissteigerungen für Milch und Molkereiprodukte Ende Juli/Anfang August haben ja heftige Diskussionen ausgelöst, die auch noch nicht zu Ende sind. Gestern gab es ja die Meldung, dass das Bundeskartellamt die Durchsuchung der Diensträume des Milchindustrieverbandes und der ZMP wegen des Verdachts der Preisabsprache eingeleitet hat. Daran kann man erkennen, wie nervös reagiert wird, dabei macht die Preissteigerung bei Butter für eine dreiköpfige Familie im Monat eine Schachtel Zigaretten aus! Mineralöl- und Stromkonzerne lösen offenbar kaum Reaktionen aus und fahren Milliardengewinne ein. Wir Bauern können mit 30 Cent je Liter Milch noch nicht leben, an schwere Gewinne ist erst recht nicht zu denken.
Nach Analysen unseres Verbandes ist der Milchpreis von Juni zu Juli und August von etwa 28 Cent auf 31,5 Cent im Durchschnitt angestiegen. Weitere Anhebungen haben die Molkereien in Aussicht gestellt. Wir erwarten jetzt deutliche Signale, weil es für die äußerst aufwändige und an 365 Tagen mit gleich guter Qualität zu verrichtende Arbeit eine anständige Bezahlung geben muss. Wir Bauern gehen mit unserem Geld und unserer Arbeit in Vorleistung, manchmal ein ganzes Jahr. Der Einzelhandel bekommt sein Geld in der Stunde des Warenumsatzes, denn niemand verlässt die Kaufhalle, ohne bar zu bezahlen. Molkereiprodukte haben Umschlagszeiten von weniger als 10 Tagen, werden aber vom Handel erst nach 48 Tagen bezahlt. Und ehe das Geld beim Produzenten der Milch ist, vergeht im Allgemeinen noch ein Monat. Das ist ungerecht, vielleicht auch Betrug!

Noch einige wenige Worte zum Rind- und Schweinefleisch:
Die Preise sind trotz gestiegener Absatzzahlen auf einem Tiefpunkt. Mitte Juni hatte unser Präsidium in einer Erklärung dies ausdrücklich beklagt. Diese Erklärung war auch die Grundlage für einen Einschließungsantrag auf dem Deutschen Bauerntag in Bamberg zu diesem Thema. Vor allem die stark gestiegenen Futter- und Energiekosten machen dem Rind- und Schweinefleischproduzenten zu schaffen. Beim Mischfutter stiegen die Preise um über 40 % an. Da Schweine ausschließlich Kraftfutter fressen, gehen diese Kosten voll in die Produktionskosten. Steigender Bedarf an Fleisch weltweit und leere Lagerstätten werden hoffentlich auch hier bald eine Wende einleiten.

Vizepräsident Dr. Wolfgang Nehring zu Zuckerüben und Kartoffeln
Kartoffeln
Die Kartoffelernte hat gerade erst begonnen, es ist deshalb noch keine endgültige Einschätzung möglich. Es wird mit einer unterdurchschnittlichen, aber Bedarf deckende Erntemenge gerechnet. Bei vielen Sorten ist ein geringer Knollenansatz zu verzeichnen, deutlich geringer als im Vorjahr. Ursache könnte die Trockenheit bis Anfang Mai sein. Kartoffelexperten sprechen auch davon, dass das Pflanzgut aus 2006 nicht genügend Kraft hatte. Dafür sind die einzelnen Knollen durch die Niederschläge größer, man spricht von grob fallender Ware. Die ständigen Niederschläge verursachten einen großen Befallsdruck durch pilzliche Erreger (Krautfäule). Die mehrfach durchgeführten Pflanzenschutzmaßnahmen waren teilweise unwirksam, weil es gleich wieder auf den gespritzten Blattapparat regnete. Die dadurch aufgetretenen hohen Kosten mindern das Betriebsergebnis.
Das Frühkartoffelgeschäft ist für die Landwirte gut verlaufen und auch jetzt befinden sich die Kartoffelpreise für die Bauern auf einem guten Niveau. Das liegt zwar 30 % unter dem Vorjahr, mit 15 €/dt aber deutlich über dem Mittel der letzten Jahre.

Zuckerrüben
Die Zuckerrübenbestände sehen insgesamt sehr gut aus, sie profitieren von den hohen Niederschlägen. Die ersten Proberodungen ergeben gegenüber dem Vorjahr 25 % höhere Erträge bei gleichem Zuckergehalt. Das lässt einen Rübenertrag von 554 dt/ha erwarten, deutlich über dem langjährigen Mittel. Mit 49.000 ha ist das alte Anbauniveau wieder erreicht, gegenüber 2006 stehen in Sachsen-Anhalt 7.000 ha mehr Rüben. Die Anbauerweiterung wird durch den Bedarf der Rübenethanolfabrik in Klein Wanzleben verursacht, für 2008 ist eine nochmalige Anbauausdehnung zu erwarten.

Die Preiseinschnitte durch die neuen Regelungen haben Rüben gegenüber anderen Kulturen , insbesondere Weizen, ihre Vorzüglichkeit eingebußt, ihr Anbau ist aber für eine ausgewogene Fruchtfolge unbedingt notwendig.

Vizepräsident Torsten Wagner zu Sonderkulturen
Heil- und Gewürzpflanzen
Bei den Feinsämereien wie z. B. Heil- und Gewürzpflanzen (Anbauumfang ca. 800 ha) führte der fehlende Niederschlag im April dazu, dass die Saat nicht aufging und wochenlang im Boden lag. Der Pflanzenaufgang im Mai war dann nicht nur zeitlich stark verzögert, sondern auch lückenhaft. Einige Flächen sind Totalausfälle. Für den Aufwuchs wiederum war es zu nass und die fehlende Sonneneinstrahlung verminderte die Einlagerung von Alkaloiden, d.h. die Würzkraft ist verringert.
Die Ernte von Majoran, die jetzt beginnen müsste, wird durch ständige Niederschläge immer wieder verzögert. Die Pflanzen sind für die normale Einstellung der Mähwerkzeuge zu niedrig, was weitere Ernteverluste bedeutet. Erwartet werden beim Majoran höchstens 60% des durchschnittlichen Ertrages. Thymian und Bohnenkraut kamen besser mit den Witterungsbedingungen zurecht. Hier wird eine mittlere Ernte erwartet. Die Ernteergebnisse und Verkaufserlöse haben für die spezialisierten Betriebe einen großen Einfluss auf das Gesamtbetriebsergebnis.

Zwiebeln
Es wird eine gute Zwiebelernte erwartet. Der viele Niederschlag hat den Zwiebeln nicht geschadet, sondern hier zu einem guten Aufwuchs geführt.

Gemüse
Nach einem verzögerten Aufgang wegen der fehlenden Niederschläge im April kamen die Niederschläge noch zur richtigen Zeit und viele Gemüsearten, z. B. Grüne Bohnen, Mohrrüben und Broccoli sind in guter Qualität und Quantität gewachsen.
Eine gute Saison konnten die Spargelanbauer verzeichnen. Auf 1.200 ha ernteten sie mit 46,3 dt/ha 9 dt/ha mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz zu allen anderen Kulturen profitierte der Spargel von der Witterung und bracht zu den hohen Erträgen auch gute Qualitäten. Auch die Preise blieben auf einem guten Niveau.

Obst
Im Süden Sachsen-Anhalts hat Spätfrost die Süßkirschenblüte geschädigt, deshalb wurden dort nur 50% einer durchschnittlichen Ernte gepflückt, auch in anderen Teilen Sachsen-Anhalts sind die Süßkirschen stark ausgefallen. Auch bei Aprikosen entstanden Ausfälle durch Frost. Die Sauerkirschenernte dagegen war im Süden sehr gut. Insgesamt muss eingeschätzt werden, dass die Obsternte regional sehr unterschiedlich ausgefallen ist, aber mehr als ganz normale, durchschnittliche Erträge werden nirgends gemeldet.
Der Ansatz bei Äpfeln ist vielversprechend, genaue Angaben können aber jetzt noch nicht gemacht werden.
Die Erdbeerernte fiel schlechter aus als im Vorjahr, besonders die Niederschläge im Juni brachten Probleme. Es wird ein Ertrag von 73,2 dt/ha geschätzt, das sind fast 10 dt/ha unter dem Ertrag des Vorjahres.

Hopfen
Die Hopfenerträge in Sachsen-Anhalt sind durchschnittlich.

Fazit und Ausblick
Wir Landwirte wissen, dass wir ein Gewerbe unter freiem Himmel betreiben und folglich Erträge, Qualitäten und Erlöse nicht voll kalkulierbar sind. Wir haben versucht, alles richtig zu machen und dann hat uns die Witterung um einen Teil des Lohnes gebracht.
Wir Bauern garantieren die Versorgung der Bevölkerung mit guten Nahrungsmitteln, tragen zur Entspannung des Energiesektors bei und erhalten die Kulturlandschaft. Das sollte die Gesellschaft ohne Zweifel honorieren.


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